Yeah, fuck Love
Drei Freunde, drei Drinks. Irgendwo in einer Bar, Wien 1. Der Inhaber geht an unserem Platz vorbei, grüsst mich, wir plaudern. Er geht wieder zum Barthresen, kurze Zeit spielt es „Ganz Wien“. Sein spezieller Gruß an mich. Das macht er hin und wieder, wenn er Zeit hat den Titel in der Playlist zu suchen.
M: „Die Holly, hat sich noch bei jedem Barkeeper beliebt gemacht.
H: Hey, jeder braucht ein Stammlokal. Das hier ist meins.
M: Genau. Und das Krugers, das Drechsler, das Cuadro, kompletter Naschmarkt und Muqua im Sommer…
H: Ich steh auf Vielfalt!
M²: Das war doch mal euer gemeinsames Lokal, oder?
H: Hä? Wessen gemeinsames Lokal?
M²: Von dir und …
M: Sprich ihn nicht aus! SPRICH! DIESEN! NAMEN! NICHT! AUS! Ich hab echt genug von dieser Grützebirne.
H: Mein Gott, M²! Lass uns bitte mit deinen romantischen Theorien in Ruhe. Die Romantik an sich ist Theorie.
M: Yeah, fuck Love.
M²: Aber…
M & H unisono: GUUUSCH!!!!
M²: Nein! Ich will dazu jetzt etwas sagen. Und ihr werdet mir zuhören. Er kommentiert beinahe alles, was sie tut.
H: Bitte, das ist Facebook! Du überbewertest diese Plattform.
M²: Ich will ausreden! Danke. Also…er kommentiert beinahe jede deiner Tätigkeiten. Merkst du nicht, wie sehr er an deinem Leben interessiert ist? Er liest was du tust, wohin du gehst, welche Bilder du online stellst. Ich habe dir damals im *Piiiiiieeepp* (Lokalität wird aus Gründen der Scham nicht erwähnt) wo wir ihn getroffen haben schon gesagt, dass er auf mich den Eindruck macht, als würde er sehr gerne mit dir reden. Du bist etwas Besonderes für ihn, Holly. Und dass er auf seinem Profil nur postet was er hat und wie leiwand er doch ist, sollte gerade einem empathischen Menschen wie dir bewusst sein, dass der Mann mit sich und seinem Leben nicht wirklich zurecht kommt, sich das selbst nicht eingestehen kann oder will und dass er vielleicht einfach nur nach jemandem sucht mit dem er sich gut versteht. Du bist vielleicht eine der wenigen Personen, wenn nicht sogar die Einzige, der er sich jemals so geöffnet hat, wie er das bei dir getan hat. Du hast das Gute in ihm hervor geholt, er weiß das und er erinnert sich daran. Ich glaube, er möchte sich dir einfach ein bisschen nähern. Fass das nicht falsch auf, ich rede hier nicht von Beziehung oder Liebe, ich rede davon, dass der Kerl einfach nur ein bisschen Anschluss sucht. Und weil er nunmal leider der ist, der er eben ist, probiert er es bei dir auf diese Weise. Ich will nicht, dass du ihm Honig um´s Maul schmierst, aber behandle ihn einfach so wie du alle anderen behandeln würdest.
H: Weißt du, manchmal denke ich genauso wie du. Aber ich kenne eben auch seine andere Seite und deshalb genieße ich, sofern man hier von genießen sprechen kann, das alles mit größter Vorsicht. Er ist unbeholfen.
M: Er ist ein Arschloch. Die S. muss unbedingt dieses Posting mit der Leserbriefredaktion bringen bei der nächsten Gelegenheit. Ich find das lustig. Ha ha! So geil!
M²: Ich finde das Posting an sich auch witzig, aber was würde das bringen? Er würde es ohnehin nicht verstehen und ich finde FB auch nicht undbedingt geeignet für sowas. Im Sinne einer Netiquette: bleibt brav, Kinders. Wir würden ja auch nicht wollen, dass sich jemand über unsere Beiträge lustig macht, oder?
H: Ja, du Moralapostel. Botschaft ist angekommen. Jetzt hast mir den Spaß am garstig sein verdorben. Ass!
M: Wir wollen ihn halt nicht. Ich bekomm schon die Krise wenn ich sein Bild sehe. Diese Pimmelnase. Ich fühle mich fast ein bisschen terrorisiert von dem.
Mein Falcolied ist vorbei und ein paar andere, die ich gerne bewusster wahrgenommen hätte auch, also widmen wir uns der nächsten Getränkerunde. Einer von vielen in dieser Nacht. Einer Nacht, die mit dem ein oder anderen goldenen Moment versehen war. Auf das Zitat „Yeah, fuck Love“ sollten noch einige folgen. Tbc…
Heute: Katzencontent
Wie sehr ich Sklave meiner Katzen bin, wird mir erst seit ein paar Tagen mehr und mehr bewusst.
Sie müssen mir seit Jahren konstant Drogen verabreicht haben, denn früher fielen mir diese Dinge nicht auf.
Ich schätze mal, dass sich vor allem in Titos Kakageruch eine Substanz befindet, die beim Einatmen das zentrale Nervensystem angreift und die Wahrnehmung manipuliert. Seitdem ich das Futter gewechselt habe, dürfte er Schwierigkeiten bei der Produktion dieser Droge geben. Jedenfalls sehe ich die Dinge von Tag zu Tag klarer.
Sie observieren mich
Wie alle guten Katzen erwarten mich meine beiden schon an der Tür wenn ich vom Büro nach Hause komme. Viele Katzenbesitzer sehen das als Zeichen der Zuneigung: „Zwischen uns besteht so eine starke Verbindung, dass sie bereits vor mir wissen wann ich nach Hause komme.“ Blödsinn. Sie sitzen an der Tür, weil sie lauschen, ob du eh gleich vom Aufzug zu deiner Wohnung gehst und dich nicht vom Nachbarn in Tratschereien verwickeln lässt. Sie wollen nicht, dass man Kontakt zur Aussenwelt hat.
Gestern fuhr ich erst in den 5. Stock um von meiner Mutter den frischen Tsatsiki für mein Abendessen zu holen. Wir plaudern ungefähr eine Minute auf dem Gang, was natürlich die Katzen im 4. Stock hören. Sofortiges Einsetzen von Wimmern und Klagen im zweistimmigen Kanon.
Was sie vorgaukeln: Entsetzliche Hungersnot – praktisch kurz vorm Abnippeln. Sie sind arme, bemitleidenswerte Geschöpfe, von mir in einer Wohnung gehalten. Unfähig, sich die sich Dosen selbst zu öffnen, müssen sie warten bis ihre Peinigerin (ich) nach Hause kommt. Bis zu diesem Zeitpunkt am frühen Abend schreien sie täglich um Hilfe.
Was sie erreichen: Mitleid von allen.
Einerseits wollen sie mit dem Gejammer auf ihre Hungersnot aufmerksam machen. Andererseits möchten sie, dass ich sie höre, sollte ich irgendwo herum stehen und unwichtigeres tun, als Katzen zu füttern (ALLES ist unwichtiger als Katzen zu füttern). Mein Kontakt zur Außenwelt soll weitestgehend verhindert werden.
Sie hinterlassen geheime Botschaften
Gerne hinterlässt der Kater hin und wieder eine Botschaft. Weniger an mich, ich habe eher die Vermutung, dass sich seine Botschaften an Außerirdische richten, die meine Wohnung als Port zum Wandeln zwischen den Dimensionen nutzen.
Die Botschaften werden meistens als kompakter Kothaufen hinterlassen. Ich vermute dahinter den Portschlüssel (siehe dazu: Harry Potter). Die Aliens müssen diesen berühren um wieder nach Hause zu kommen. Da es ein Abkommen Aliens/Katzen gibt, soll es für mich aber als Protest und Unzufriedenheit seitens des Katers aussehen, damit ich mich verstärkt um das Wohlergehen beider Katzen bemühe und mich mit ihnen beschäftige (siehe dazu auch Punkt 1: Kontakt zur Außenwelt verhindern)
Eine andere Form der geheimen Botschaft ist weitaus trickreicher. Katze geht zum Kacken auf´s Klo und lässt noch einen kleinen Zipfel des kompakten Würschtels hinten raus hängen. Bin ich zu Hause, vertuschen die Katzen ihre Tat indem sie scheinbar panisch und ziellos mit dem Hintern am Boden durch die Wohnung rutschen und dabei laut miauen. Es soll für mich nach einer möglichst irrationalen Tätigkeit aussehen. Ist niemand daheim, gehen sie seelenruhig an eine geeignete Stelle (Badezimmerteppich, Tagesdecke … alles, was man extra waschen müsste um es sauber zu kriegen) und beginnen mit ihrem Arsch eine Botschaft aus Kacke zu malen.
Sie beginnen mir den Aufenthalt auf meinen Lieblingspläzen madig zu machen
Lege ich mich ins Bett, hört man spätestens nach fünf Minuten ein leichtes Trippeln auf dem Boden. Es hört sich sehr sanft an, also kann es nur das Böllchen sein. Böllchen, eigentlich Labello genannt, ist ein Mädchen und macht bei all diesen Sachen vermutlich nur wegen des Gruppenzwangs mit. Chef der Bande ist der Kater, Tito. Das Böllchen hüpft dann auf´s Bett rauf, setzt sich hin und starrt mich an. Solange, bis ich das Buch zur Seite lege und sie anschaue. Hat sie erstmal Augenkontakt hergestellt, fängt sie sofort in der Lautstärke eines Traktors zu schnurren an. Ansehen ist für sie quasi wie Streicheln mit den Augen. Streichelt man sie mit den Händen geht´s erst richtig los. Sie geht auf ihren Lieblingsplatz (links von mir) und da bleibt sie meist die ganze Nacht liegen. Nun hört der Kater aber, dass hier jemand schnurrt und möchte auch schnurren. Dass der Kater kommt hört und spürt man. Das Bett vibriert leicht. Er legt sich dann entweder auf mich rauf oder rechts von mir und mir bleibt nichts anderes übrig, als mir meine Schlafposition und somit Centimeter um Centimeter wieder mühsam zurück zu kämpfen. Ein Mal habe ich es gewagt sie anzuschreien und sah nur noch zwei Fellärsche von hinten Richtung Wohnzimmer laufen.
Sich Sonntags gemütlich auf der Couch ausstrecken läuft auch nicht. Wo ich bin, wollen die auch sein. Observation! Während sich beide gemütlich ausstrecken, liege ich im letzten Winkel der Couch, nur halb zugedeckt und versuche die Fernbedienung unterm Kater hervor zu ziehen, was sofort mit einem Fauchen (Ruhestörung!) seinerseits quittiert wird. Selbst mein Geschäft auf dem Menschenklo wird argwöhnisch von vier Katzenaugen betrachtet. Gestreichelt wollen sie werden. Immer. Egal wann. Egal wo. Egal welche Tätigkeit ich gerade verrichte. Einzig der Staubsauger vermag die Herrschaft der Katzen für einen gewissen Zeitraum zu unterbinden.
Katzen: Sie werden eines Tages die Weltherrschaft an sich reissen. Eines Tages, innerhalb dieser drei bis vier Stunden in denen sie nicht schlafen, werden sie uns alle unterjochen.
Spielmacher
R. überlegt S. anzurufen. Mein Ex kommentiert immer öfter meine Statusmeldungen auf Facebook – ich antworte ihm frisch und fröhlich. Was ist da los?
In meinem Fall weiß ich es. Was die Leute in meiner Umgebung betrifft, habe nicht nur die Gutmütigkeit sondern wohl auch die Blödheit von einem Esel. Man könnte fast meinen, ich verzeihe jedem alles. Ausnahmen bestätigen die Regel. R´s Überlegung habe ich mit einem scharfen „Na Oida“ beantwortet, die Gewissheit in mir ruhend, dass sie ihn über kurz oder lang kontaktiert. Ich werde dann die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und rufen „Lauf doch nicht in dein Verderben“ und sie wird mich nicht hören. Das wundert mich auch nicht, denn ich bin nur der Zuschauer am Rande während sie als Spieler mitten auf dem Feld steht. Ich trage das Fantrikot „Team R.“, schreie Taktiken zu ihr runter und was ich alles anders machen würde. Es ist leicht von der Zuschauertribüne irgendwas auf´s Spielfeld zu brüllen. Aus dieser Perspektive ist immer alles leichter.
Ich stehe selbst mitten auf dem Feld. Eine Menge Zuschauer um mich herum, die irgendetwas von mir erwarten, aber ich weiß gar nicht was ich mit dem Ball anfangen soll, der mir immer wieder zugespielt wird. Deshalb kontere ich, spiele mal offensiv, mal defensiv, laufe über das ganze Spielfeld, den Ball vor mir her dribbelnd und im Hintergrund höre ich das Team Holly meinen Namen rufen, höre die Pfiffe und Buh-Rufe wenn mein Gegner, der Ex, am Ball ist. Sie hassen ihn. Er hat wieder den Ball und spielt ihn mir zu. Ich sollte ihn foulen, aber ich kann es nicht. Ich sollte ihm mit dem ausgetreckten Fuß direkt auf´s Knie springen. Er tut mir leid. Ich habe eine Ahnung, wie es ihm derzeit geht. Ich kann ihn nicht dissen. Das Team Holly erwartet sich etwas anderes von mir. Sie kennen unsere Geschichte, sie wollen nicht, dass er mir wieder weh tut, sie sind auf meiner Seite. Sie machen mit seinem Namen lustige Wortspiele und bringen mich damit zum Lachen. Er geht ihnen auf die Nerven. M. möchte keine Beiträge von mir kommentieren, die bereits mit dem Senf des Ex versehen wurden und sein Blutdruck steigt dramatisch in die Höhe, wenn der Ex nach M. etwas kommentiert. „Schon wieder diese Grützebirne! Tu ihn weg!“ Auch S. beschwert sich über den Typen und möchte ihn gespamt wissen, allerdings erst nachdem sie für Unordnung in meinem Portemonnaie gesorgt hat (nur btw: ein Monk´scher Tick meinerseits – die Karten müssen alle in eine bestimme Richtung gucken). Ich liebe meine Freunde dafür, dass sie hinter mir stehen, aber dennoch werde ich die Grützebirne trotzdem nicht spammen, aus den Kontakten werfen oder seine Kommentare unbeantwortet lassen. Warum nicht? Dafür habe ich keine großen Worte, keine sinnvollen Erklärungen, ich kann nur sagen: Es ist mein Spiel und ich möchte einfach tun, worauf ich Lust habe ohne mich erklären zu müssen. Ich denke, so empfindet doch jeder von uns?
Es ist nicht so leicht einen Menschen, der einem mal sehr viel bedeutet hat einfach zu ignorieren. Die Stärke habe ich nicht. Ich entschuldige mich nicht dafür, ich bin es nunmal einfach nicht. Ich bin verlässlich, ich bin fair, ich bin loyal. Aber stark oder standhaft oder wie auch immer man diese spezielle Form der Unerbittlichkeit nennen will, bin ich nicht. Selbst wenn man mir das Herz in Stücke gerissen hat: Wenn ich sehe, dass sich diese Person bemüht und ganz vorsichtig ein bisschen an meinem Leben teilhaben will, ich verzeihe. Ich bin 28 Jahre alt und habe bis heute lediglich zwei Menschen für immer aus meinem Leben verbannt. Ich denke, das ist ein guter Schnitt für mein Alter. Es ist mir egal, wie es ihnen geht, was sie erreicht haben, wo sie wohnen und was sie tun. Ein Sack Reis in China würde mehr Interesse in mir wecken. Bei ihm ist es mir nicht egal. Er ist mir nicht so wichtig wie meine Freunde oder meine Familie, aber egal ist er mir eben auch nicht und was sollte mir schon passieren, wenn ich ihn in das Vorzimmer meines Lebens lasse? Hier sieht er einen Bruchteil dessen, was mich ausmacht. Es sind nichtmal 30%. Wenn er zu meinen Statements, meinen Links, meiner Lieblingsmusik seinen Senf abgeben will, soll er ihn abgeben. Mir tut das auch ein bisschen gut, sonst passiert ja nichts in meinem Leben. Und ehrlich gesagt: ich habe doch auch gar nichts mehr zu verlieren.
Hell yeah, Jennifer Rostock
Geiler Song und so wahr. So wahr…
Feedreader Pt. II
Nachdem ich mir bei drei verschiedenen Anbietern (Bloglovin, Bloglines und der Dritte war so scheisse, dass ich ihn schon wieder vergessen habe) einen Account eingerichtet und getestet habe, kann ich mitteilen, dass Bloglovin (Thx @Kittynn) mein persönlicher Testsieger war. Ich war zuerst extrem skeptisch, aber mittlerweile gefällt´s mir da so gut, dass ich meine Feeds nur noch von hier abrufe. Weil
1. sich die Blogs ganz einfach kategorisieren lassen
2. Layout durchaus okay und vor allem übersichtlich
3. Man kann die Blogs nach Kategorie durchlesen oder einfach alle der Reihe nach (ich mach´s immer der Reihe nach, dann hab ich´s hinter mir)
4. Wenn man bei einem Artikel, der einem besonders gut gefallen hat auf das putzige Herzchen klickt, archiviert man diesen und kann ihn jederzeit nachlesen ohne sich mühsam durch den eigentlichen Blog zu wurschteln. Sowas mag ich! Pinke, putzige, selbsterklärende Herzchen! Die kleinen Freuden des Alltags.
5. Bloglovin leitet dich zu jedem deiner Feeds auf den jeweiligen Blog weiter, der Bloglovin Frame liegt aber darüber. Manche Blogs sind eine wahre Freude für das Auge. Und durch Klick auf Next ist man schon beim nächsten Artikel und/oder Blog.
6. Wenn ich keinen Bock habe, klicke ich auf „Mark all as read“ und bin fedisch.
Fedisch!
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